Petition – Massiver Holzeinschlag im Bad Vilbeler Stadtwald

Bad Vilbel Stadtwald Fällungen Herbst 2020

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Stöhr,
sehr geehrter Magistrat der Stadt Bad Vilbel,

der Arbeitskreis „Bad Vilbeler Stadtwald“ (www.badvilbel-wald.de) setzt sich für ein Umdenken in der Bewirtschaftung des Stadtwaldes ein, da die Fortsetzung der heutigen Wirtschaftsweise die Zukunft unseres Waldes unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen stark gefährdet.

Diese Wirtschaftsweise ist geprägt von massivem Holzeinschlag, dem Einsatz schwerer Rückemaschinen und der Entnahme großer Teile des gefällten Holzes.

Das Ergebnis des massiven Holzeinschlages ist eine bedrohliche Zunahme der Verlichtung im Kronenbereich des Waldes. Die Sonne dringt an diesen Stellen bis zum Boden durch, erwärmt ihn und die freigestellten Stämme der angrenzenden Bäume. Das sorgt für zusätzliche Verdunstung des ohnehin knappen Wassers und für Hitzestress an den noch gesunden Bäumen. Der sich überreich einstellende Bewuchs von sogenannten Pionierpflanzen auf den aufgelichteten Flächen verschärft die Wasserknappheit zusätzlich.

Ein weiteres Problem stellt das Verwenden schwerer Rückemaschinen dar. Der Boden wird so stark verdichtet, dass die Wasserspeicherfähigkeit stark eingeschränkt wird und sich Pilze und Bakterien nicht entsprechend entwickeln können, um das Baumwachstum zu fördern.

Die Mehrzahl der gefällten Baumstämme wird aus dem Wald entnommen. Das sorgt für einen zu geringen Totholzanteil. Totholz ist eines der wichtigsten Strukturelemente unserer Wälder.

Stehendes Totholz hat eine hohe Bedeutung für die Artenvielfalt, insbesondere für eine Reihe höhlenbewohnender Arten und viele Insekten. Abgestorbene liegende Bäume speichern große Mengen Wasser und tragen durch Verdunstung zur wichtigen Kühlung des Waldes bei.

Da der Wald ohnehin keinen wirtschaftlichen Zwecken dient und in der Vergangenheit auch einiges richtig gemacht wurde, es wurden beispielsweise kaum standortfremde Fichten gepflanzt, sollte die zukünftige Bewirtschaftung so ausgerichtet sein, dass nur noch Bäume gefällt werden, die eine Gefahr für Waldbesucher darstellen. Für die Bereiche abseits der Wege muss eine neue Bewirtschaftungsform gefunden werden. Diese sollte sich an neuen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen orientieren.

Die Details dieser neuen Wirtschaftsweise sollten in einem breiten bürgerschaftlichen Dialog erarbeitet und abgestimmt werden. Dazu fordern wir die Wiedereinsetzung der „Kommission für Umwelt-, Land-, und Forstwirtschaft“, die unter dem Ehrenbürgermeister Biwer bereits existierte.

Begründung

Der Stadtwald hat für die Bad Vilbeler Bürgerinnen und Bürger eine große emotionale Bedeutung und erfüllt eine wichtige Erholungsfunktion. Weiterhin hat der Stadtwald eine hohe Bedeutung für das Stadtklima.

Er wird täglich von sehr vielen Spaziergängern, Radfahrern, Sportlern, Kindergartengruppen und vielen anderen genutzt.

Die Waldbesucherinnen und -besucher lieben den schönen alten Baumbestand und schätzen die Artenvielfalt des Naturraums. Rund zwei Drittel der Bäume sind älter als 120 Jahre, ein so alter Baumbestand ist selten geworden in Deutschland. Dieses gilt es zu bewahren. Viele Umwelt- und Naturschutzverbände engagieren sich für das Ökosystem des Vilbeler Waldes.

Die Bürgerinnen und Bürger haben jedoch kaum Einblick in die Konzeptionen, die der aktuellen und geplanten zukünftigen Waldbewirtschaftung zugrunde liegen. Diese fehlende Transparenz und kaum vorhandene Mitsprachemöglichkeiten sollen durch die Wiedereinsetzung der „Kommission für Umwelt-, Land-, und Forstwirtschaft“ beendet werden. Dabei wünschen wir uns eine Zusammenarbeit, die nicht von parteipolitischen Differenzen und Interessen belastet wird. Zudem kann diese Form bürgerschaftlichen Engagements und übergreifender Zusammenarbeit auch als Leuchtturmprojekt für den für das Jahr 2025 geplanten Hessentag präsentiert werden.

In Zeiten des Klimawandels muss auch die Waldbewirtschaftung neu gedacht und neu ausgerichtet werden. Dafür setzen wir uns ein und bitten Sie um Ihre Unterstützung. Herzlichen Dank!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Verena Wendt

    Nicht nur in Hessen, sondern auch in Bayern werden die Wälder aus Proftgründen gnadenlos ausgebeutet oder werden rigoros für neue Wohnbau- oder Gewerbegebiet oder Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz rausgeschlagen. So werden im Landkreis Weilheim an der Ammer bei Peißenberg mal schnell 1500 Bäume entfernt und bei Deutenhausen erfolgt derKahlschlag auf 15.500 qm. Aber der Biber und das Rehwild muss weg, denn das ist böse, weil es ein paar Bäumchen anknabbert. Da kann man sich nur noch an den Kopf fassen.

    Weder der Biber, noch das Reh-, Rot- oder Gamswild sind Schädlinge. Der einzige Schädling auf diesem Planeten ist der ewig profitgierige Mensch.

    Mal abgesehen davon, dass aus Klimaschutzgründen der Raubbau in den Wäldern weder zeitgemäß, noch nachvollziehbar ist, wird dabei völlig außer acht gelassen, dass mit jedem dieser Kahlschläge der Lebensraum unserer Wildtiere und Wildvögel immer weniger wird. Infolge nimmt das Artensterben weiter zu, was aber die Verantwortlichen nicht interessiert. Was zählt ist einzig ein gut gefüllter Geldbeutel. Alles andere ist zweitrangig.

  2. Thomas Witt

    Auch ich war über den Einschlag entsetzt. Nach den Abholzungen an der Nidda und in den Gebüschen in den Feldern der Hochebene über Bad Vilbel kann man denken, dass die Stadt jedes Grün vernichtet, das sie antrifft. Wie kann ich diese Petition unterstützen?

Schreibe einen Kommentar